360° Bunker


Mit freundlicher Unterstützung des Vereins Hamburger Unterwelten e.V. entstand diese 360° Panoramatour durch den Hamburger Hochbunker am Eidelstedter Weg 10.

Die Tour ist interaktiv – benutzen sie die Maus oder die Finger um die Ansicht zu drehen, zu zoomen und zu navigieren.

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Der Hochbunker Eidelstedter Weg 10 – Einblicke in das Bauwerk und seine Geschichte

Am Ende des Zweiten Weltkrieges waren in Hamburg über 50 % des Wohnungsbestandes zerstört. Weite Teile der Stadt glichen einer Trümmerwüste, ganze Stadtteile lagen in Schutt und Asche. Vor allem in den Gebieten östlich der Alster, in denen im Sommer 1943 der Feuersturm gewütet hatte, waren die Hochbunker oft die einzigen Gebäude, die den Krieg überstanden hatten. In großen Teilen von Rothenburgsort, Hammerbrook, Borgfelde, Hamm- Nord und Eilbek sind die Hochbunker aus dem Zweiten Weltkrieg heute die ältesten noch erhaltenen Bauwerke. Alles Übrige ist dort in den Bombennächten verbrannt.

Etwa 80 Hochbunker sind in Hamburg bis Kriegsende gebaut worden. Einige wurden direkt nach dem Krieg beseitigt, viele weitere in den folgenden Jahrzehnten. Erhalten sind heute wohl noch etwa 50. Die allermeisten von ihnen wurden für eine neue Nutzung umgebaut, oft als Lagerräume, aber auch als Gewerbefläche oder als Übungsräume für Musikgruppen. Dabei wurde die nicht mehr benötigte Einrichtung und die inzwischen veraltete Technik aus den Kriegsjahren entfernt und erneuert. Fenster wurden in die Außenwände gebrochen, im Inneren wurde die Raumaufteilung geändert und an die neue Nutzung angepasst. Von der Originalsubstanz blieb dabei meistens nicht viel übrig, oft nur der nackte Beton.

Der Hochbunker am Eidelstedter Weg 10 ist dabei die große Ausnahme. Direkt nach dem Krieg wurde der Bau als Lagerraum von der britischen Militärregierung genutzt und blieb so von Holz- und Metallplünderungen verschont. Anfang der 1950er Jahre zog dann der Musikverlag Sikorski ein, der den Bunker ebenfalls als Lager nutzte – für Notenblätter. Für diesen Zweck musste an der Raumaufteilung im Bunker nicht viel verändert werden. Die Räume blieben zum größten Teil so, wie sie waren, im Zustand der 1940er Jahre. Gleiches gilt für die Technik: Die Lüftungsanlage wurde weiter betrieben und nur geringfügig verändert, die Elektroinstallation ebenso. Erst um das Jahr 2003, nach über 50 Jahren, zog Sikorski aus und nutzt heute moderne Lagerflächen an anderer Stelle. Der Hochbunker steht seitdem leer. Geblieben aber sind die seit Kriegsende kaum veränderten Räume, die noch immer funktionierende Lüftungsanlage aus dem Jahr 1941, die erhaltenen Holztüren mit den Originalbeschriftungen aus der Kriegs- und Nachkriegszeit, die Gasschleusen mit Ihren Warn- und Verhaltenshinweisen, die Splitterschutztüren an den Zugängen und vieles mehr. Eine solche Fülle an originaler Substanz, Ausstattung und Technik aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges findet man heute in keinem anderen Bunker in Hamburg mehr.

Eine Besonderheit sind auch die Wandbilder. An verschiedenen Stellen, vornehmlich in den Treppenhäusern und Gemeinschaftsräumen, wurden während der Bauzeit Wandgemälde angebracht. Die Bilder zeigen althamburger Motive, alte Berufe, Hamburger Originale und Stadtansichten. Die Darstellungen sind betont friedlich, harmlos, fast idyllisch und naiv. Heroische, kriegsverherrlichende Motive fehlen ganz, ebenso wie Durchhalteparolen und nationalsozialistische Propaganda. Offensichtlich sollten die Bilder die Menschen während der Angriffe von dem Geschehen draußen ablenken, beruhigen. In ihrer Motivwahl und Ausgestaltung stehen sie damit in krassem Kontrast zu dem Bauwerk an sich und zu seinem Zweck. Dargestellt sind Motive, die man als Hamburger kennt, die Vertrautheit und Frieden, „die gute alte Zeit“ symbolisieren. Dass die Wirklichkeit außerhalb des Bunkers spätestens ab dem Sommer 1943 ganz anders aussah, ist ein Aspekt, der die Bedeutung dieser Bilder in ihrem historischen Kontext unterstreicht. Nicht zuletzt wegen dieser Wandbilder wurde der Bunker 2013 unter Denkmalschutz gestellt.

Derartige Wandbilder sind aus verschiedenen Bunkern und Schutzräumen bekannt. Am Eidelstedter Weg 10 steht heute allerdings der einzige Hochbunker in Hamburg, in dem diese Bilder noch erhalten sind. Alle Bilder in anderen Bunkern sind inzwischen durch Umbauten oder Abriss der Bauwerke verloren gegangen.

Um die Einzigartigkeit des Bunkers am Eidelstedter Weg auch der Öffentlichkeit präsentieren zu können, bietet der Verein Hamburger Unterwelten seit dem Frühjahr 2013 historische Führungen durch das Gebäude an. Daneben werden zwei Ausstellungen zur „Operation Gomorrha“, den verheerenden Luftangriffen auf Hamburg im Juli und August 1943 gezeigt. Außerdem gibt es auch besondere Führungen für Kinder im Vorschul- bis Grundschulalter. Im Jahr 2015 starten die Führungen am 03. Mai mit einer Auftaktveranstaltung aus Anlass des siebzigsten Jahrestages des Kriegsendes in Hamburg.

Wie lange die Führungen durch dieses einmalige Bauwerk noch stattfinden können, ist allerdings unklar. Im April 2014 wurde erstmals über Pläne zum Abriss des Hochbunkers berichtet. Hintergrund ist eine geplante Erweiterung des direkt angrenzenden Werksgeländes des Beiersdorfkonzerns. Beiersdorf will allerdings nicht das Gelände des Bunkers selbst nutzen, sondern die Fläche eines unmittelbar benachbarten Spielplatzes. Mit dem Argument, dass der Bezirk Eimsbüttel ohnehin ein Defizit an Spiel- und Freizeitflächen habe, fordert die Bezirksverwaltung den Abriss des Bunkers, um auf dessen Fläche einen neuen Spielplatz anlegen zu können. Der Aspekt des Denkmalschutzes müsse dabei zurücktreten.

Die Kulturbehörde und das Denkmalschutzamt haben sich vehement gegen diese Pläne gewehrt. Dennoch hat der Hamburgische Senat im Sommer 2014 entschieden, dass der Bunker trotz bestehenden Denkmalschutzes abgerissen werden darf. Mit den Abbrucharbeiten soll wahrscheinlich noch im Laufe des Jahres 2015 begonnen werden.

Weitere Informationen zur Geschichte und Bedeutung des Hochbunkers Eidelstedter Weg 10 und zu den Abrissplänen sowie Termine und Infos zu den öffentlichen Führungen unter www.hamburgerunterwelten.de

 

Text: Michael Berndt, Hamburger Unterwelten e.V.

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